Micron Document
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LOCOS-Prozess
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LOCOS, kurz fĂŒr englisch local oxidation of silicon (dt. »lokale Oxidation von Silicium«), ist in der Halbleitertechnik ein Verfahren zur elektrischen Isolation von Halbleiterbauelementen, beispielsweise Transistoren. DafĂŒr wird der Silicium-Wafer an ausgewĂ€hlten Stellen maskiert, das heißt mit einer strukturierten Schutzschicht versehen, und das freigelegte Silicium anschließend örtlich begrenzt oberflĂ€chennah bei hohen Temperaturen einer sauerstoffreichen AtmosphĂ€re oxidiert, vgl. thermische Oxidation von Silicium. Auf diese Weise entsteht an der SubstratoberflĂ€che zwischen den elektrisch aktiven Siliciumgebieten fĂŒr die Bauelemente ein elektrischer Isolationsbereich aus Siliciumdioxid.

Der LOCOS-Prozess war in der Halbleitertechnik lange Zeit das bevorzugte Verfahren fĂŒr die Herstellung der genannten Isolationsbereiche. Da das Verfahren jedoch relativ platzintensiv ist und weitere Nachteile mit sich bringt (siehe unten), wurde es Mitte der 1990er Jahre in der industriellen Produktion von hochintegrierten Schaltkreisen, das heißt mit StrukturgrĂ¶ĂŸen um 0,25 ”m und kleiner, durch die sogenannte Grabenisolation abgelöst.

Contents

‱ Verfahren
‱ SPOT-Technik
‱ SILO-Technik
‱ Literatur
‱ Weblinks

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Hintergrund

Isolation von Bauelementen

Eine der HaupttriebkrĂ€fte der Mikroelektronik ist eine stetig steigende Integrationsdichte der aktiven Bauelemente auf einem Substrat, das heißt, sowohl die Bauelemente als auch die RĂ€ume dazwischen werden von Generation zu Generation kleiner. Diese zunehmende Verkleinerung fĂŒhrt neben herstellungsbedingten Problemen auch zu elektrischen Problemen, wie beispielsweise das Übersprechen von Signalen auf Leiterbahnen oder steigende Leckströme aufgrund des geringeren Isolationsabstandes. Diese Problematik hat in der Entwicklungsgeschichte zu verschiedenen Isolationstechniken und deren Anwendung bei integrierten Schaltungen gefĂŒhrt, wozu die LOCOS-Technik gehört.

Vor der Entwicklung der Planartechnik wurden Transistoren und Dioden ĂŒblicherweise als Mesabauelemente (vgl. Mesatransistor) gefertigt. Trotz der relativ weit voneinander entfernten und quasi freistehenden Bauelemente war schon damals die Reduzierung der relativ großen oberflĂ€chlichen Leckströme, beispielsweise verursacht durch GrenzflĂ€chenladungen, eine der wichtigen Herausforderungen. Bereits 1959 stellte eine Arbeitsgruppe um Martin M. Atalla eine Technik vor, bei der diese Leckströme durch ein direkt auf einem Silicium-Substrat thermisches gewachsenes Siliciumdioxid drastisch reduziert werden konnten.cite-ref-1[1] Dies bildete die Grundlage des heute als LOCOS-Prozess bekannten Verfahrens, das ab 1966 von E. Kooi am Philips Natuurkundig Laboratorium entwickelt wurde.cite-ref-2[2]cite-ref-3[3]

Der Planar- und der Planox-Prozess

Die Entdeckung der (elektrischen) OberflĂ€chenpassivierung fĂŒhrte wenige Jahre spĂ€ter zum industriellen Einsatz dieser Technik.cite-ref-4[4] Dabei wurde auf dem mittlerweile standardmĂ€ĂŸig eingesetzten Siliciumsubstrat (Silicium-Wafer) ein ganzflĂ€chiges Feldoxid aufgebracht (thermische Oxidation). Um die gewĂŒnschten Transistor- und Diodenelemente zu fertigen, wurde das Siliciumdioxid anschließend an entsprechenden Stellen nasschemisch geĂ€tzt (strukturiert), so dass das Siliciumsubstrat fĂŒr die Diffusion- oder Implantation-Prozesse zugĂ€nglich ist. Diese Vorgehensweise hat jedoch einige entscheidende Nachteile. An den bei der Strukturierung des Oxids entstehenden Stufen (damals im Bereich von 1,5 ”m) kann sich beispielsweise Fotolack, der bei der fotolithografischen Strukturierung fĂŒr nachfolgende Prozessschritte genutzt wird, ansammeln und so das Auflösungsvermögen verringern. Da das nasschemische SiliciumdioxidĂ€tzen ein isotroper Ätzprozess ist (die Ätzung ist in alle Raumrichtungen gleich) sind Lackmaskenanpassungen als Ausgleich fĂŒr die UnterĂ€tzungen notwendig. Ein weiteres Problem ist die begrenzte KonformitĂ€t der Metallisierung an den Stufenkanten. Dadurch treten LeiterbahneneinschnĂŒrungen auf und die damit verbundene lokale Erhöhung der Stromdichte fĂŒhrt zu SchĂ€den und einer vorzeitigen Alterung durch Elektromigration – das bis zur Jahrtausendwende verwendete Leiterbahnmaterial Aluminium ist fĂŒr Elektromigration relativ „anfĂ€llig“. Um die Packungsdichte der mikroelektronischen Schaltungen weiter zu erhöhen, also möglichst viele Bauelemente auf möglichst geringer FlĂ€che unterzubringen, war es notwendig, eine möglichst glatte Topografie zu erreichen, das heißt, die Stufen und Unebenheiten zu vermeiden beziehungsweise zu reduzieren.

Eine erste Verbesserung zeigte der von F. Morandi 1969 vorgestellte „Planox“-Prozess.cite-ref-5[5]cite-ref-6[6] Dabei wurde bereits der Umstand ausgenutzt, dass eine Siliciumnitridschicht das darunter befindende Siliciumsubstrat vor der Oxidation schĂŒtzt. Beim Planox-Prozess wurde daher zunĂ€chst eine Siliciumnitridschicht ganzflĂ€chig auf dem Siliciumwafer abgeschieden, anschließend fotolithografisch strukturiert und das Nitrid geĂ€tzt. Danach folgte die Oxidation des Wafers in einem Ofen, bis das Oxid in den unmaskierten Bereichen etwas ĂŒber die Höhe der Nitridschicht gewachsen ist. Nun wurde das Nitrid mit heißer PhosphorsĂ€ure selektiv geĂ€tzt, um die Bereiche freizulegen, in denen sich spĂ€ter die aktiven Gebiete der Transistoren befinden. In einem zweiten Oxidationschritt wurde dieser Bereich auf das Niveau der Isolationsbereiche gebracht, dies ist möglich, da die Oxidschicht bei dĂŒnneren Schichtdicken deutlich schneller wĂ€chst. Mit diesem Prozess konnten Bauelemente hergestellt werden, bei denen das circa 2 ”m dicke Oxid weitgehend im Siliciumsubstrat lag und die höchste Stufe nur ungefĂ€hr 0,5 ”m betrug.

Dennoch brachte erst die 1970 von Appels et al.cite-ref-7[7] vorgestellte Technik der lokalen Oxidation von Silicium (LOCOS) den Durchbruch. Die LOCOS-Technik ist dem Planoxprozess sehr Ă€hnlich und schafft diesen EinschrĂ€nkungen des Planarprozesses Abhilfe, indem die ÜbergĂ€nge zwischen den Schichten weniger abrupt ausgefĂŒhrt wurden.

Verfahren

Bei der LOCOS-Technik wird ein zur Planox-Technik entgegengesetzter Ablauf genutzt. Dabei werden die Bereiche freigelegt, in denen sich das spĂ€tere Isolationsoxid befinden soll. Als Maske fĂŒr den strukturierten Oxidationsprozess dient eine Siliciumnitridschicht (Si3N4-Schicht), die mit den gewöhnlichen Ätztechniken strukturiert wird. Im Vergleich zu Silicium verlĂ€uft die Oxidation von Siliciumnitrid um einige GrĂ¶ĂŸenordnungen langsamer, so dass hier quasi keine Beeinflussung durch den Oxidationsprozess stattfindet. Die Hochtemperaturbelastung durch den Oxidationsprozess fĂŒhrt zu Verspannungen zwischen dem Siliciumsubstrat und der Siliciumnitridmaske, daher ist eine Zwischenschicht aus Siliciumoxid (Padoxid genannt) notwendig, um die Verspannungen zu entschĂ€rfen und so ein Abplatzen der Nitridschicht zu verhindern.

Ein typischer LOCOS-Prozess setzt sich aus den nachfolgenden Schritten zusammen:

1. Vorbereitung der Siliciumsubstrate: Dazu zĂ€hlt ĂŒblicherweise die Entfernung von Partikeln und organischen Verunreinigungen was beispielsweise durch eine RCA-Reinigung erfolgen kann.
2. Abscheidung einer 10–20 nm dĂŒnnen Siliciumdioxidschicht: Sie dient als Puffer gegen mechanische Verspannungen. Diese treten zwischen dem Siliciumsubstrat und der Siliciumnitridschicht (Maske, siehe 3.) durch den höheren thermischen Ausdehnungskoeffizienten und der hohen Temperaturbelastung durch den thermischen Oxidationsprozess auf. Dies wĂŒrde unter anderem zu Kristallbaufehlern fĂŒhren. Die Oxidschicht wird daher Pad- oder Puffer-Oxid genannt und durch einen CVD-Prozess aus der Gasphase abgeschieden, oft ein TEOS-Oxid.
3. Abscheidung einer 100–200 nm dicken Siliciumnitridschicht, die durch den Oxidationsprozess chemisch kaum beeinflusst wird und die maskierten Bereiche vor der Oxidation schĂŒtzt. Die Herstellung erfolgt im Allgemeinen ĂŒber einen LPCVD-Prozess.
4. Fotolithografische Strukturierung und Ätzen der Nitrid- und Oxidschicht, so dass das Siliciumsubstrat fĂŒr den Oxidationsprozess zugĂ€nglich ist
5. Thermisches Aufwachsen von SiO2 auf Silicium in den nicht maskierten Bereichen. Die thermische Oxidation ist im engeren Maß keine Beschichtung, sondern eher eine Schichtmodifikation. Dabei reagiert Sauerstoff mit dem reinen Siliciumsubstrat zu Siliciumdioxid. Zwei Effekte sind wesentlich: zum einen wird dabei Silicium „verbraucht“, sodass die entstehende Oxidschicht zum Teil in den Bereich des Substrat wĂ€chst, zum anderen kommt es durch die starke Einlagerung von Sauerstoff und Kristallmodifizierung zu einem Volumenwachstum, sodass etwa 55 Prozent der gewĂŒnschten Oxidschichtdicke im vorherigen Siliciumsubstrat liegt. Ein weiterer Effekt ist die seitliche Sauerstoffdiffusion unter die nitridmaskierten Bereiche (vgl. Vogelschnabel).
6. Entfernung der Nitridmaske durch nasschemisches Ätzen mit PhosphorsĂ€ure bei 150–175 °C. Anschließend kurzes Ätzen des Padoxids mit gepufferter HF-Lösung (engl. buffered oxide etch, BOE). Durch die OxidĂ€tzung wird weiterhin der Übergang weiter eingeebnet und die Ausdehnung des Vogelschnabels verringert.

Vor- und Nachteile

Im Vergleich zu der vorher eingesetzten Planox-Technik hat die LOCOS-Technik einige entscheidende Vorteile. Bei LOCOS werden die scharfen Kanten und Stufen in der Topografie der OberflĂ€che deutlich reduziert. Dies erlaubt einen verbesserten Fotolackauftrag in nachfolgenden Prozessen und eine bessere KonformitĂ€t der metallischen Leiterbahnen, das heißt wesentlich geringere EinschnĂŒrungen der Leiterbahnen und somit eine geringere Gefahr von Verbindungsproblemen, keine lokalen Widerstandserhöhungen und eine geringe ElektromigrationsanfĂ€ligkeit. So konnten die minimal herstellbaren StrukturgrĂ¶ĂŸen gegenĂŒber der damals herkömmlichen Planartechnik bis circa 1 ”m reduziert werden.

Durch das Wachstum des Oxids wĂ€hrend der thermischen Oxidation in die Tiefe, ragt die isolierende Oxidbarriere deutlich in das Substrat, was das Übersprechen der benachbarten Transistoren behindert, das heißt, die elektrische Isolation der aktiven Bauelemente auf dem Substrat wird verbessert.

Nachteilig am LOCOS-Prozess sind die weiterhin nicht planare Topografie nach der Oxidation, die Ausbildung eines Übergangsbereichs vom oxidierten zum nichtoxidierten Bereich, dem sogenannten Vogelschnabel, und die Abscheidung einer Siliciumnitridschicht an der GrenzflĂ€che zum Siliciumsubstrat, der White-Ribbon-Effekt. Vor allem der entstehende Vogelschnabel begrenzt die praktisch erreichbare Integrationsdichte der Bauelemente und die nicht planare Topografie erschwert die nachfolgenden Fotolithografieschritte, da sie den gleichmĂ€ĂŸigen Auftrag von Fotolack behindert und den fĂŒr die Belichtung notwendigen Fokus lokal Ă€ndert. Unter anderem aus diesen GrĂŒnden wurden zahlreiche Weiterentwicklungen des ursprĂŒnglichen LOCOS-Prozesses in der Industrie entwickelt, die die parasitĂ€ren Effekte verringern und eine höhere Integration der Schaltkreise ermöglichen, siehe Abschnitt Weiterentwicklungen. Einige dieser Techniken sind jedoch deutlich komplexer und so mit kostenintensiver, zudem können sie die Nachteile nur abmildern und nicht ganz entfernen. Deshalb setzte sich in den 1990er-Jahren eine alternative Technik durch, die Grabenisolation (engl. shallow trench isolation, STI, oder engl. box isolation technique). Dabei werden tiefengeĂ€tzte GrĂ€ben durch Abscheiden aus der Gasphase mit Siliciumoxid aufgefĂŒllt (typischerweise TEOS- oder HDP-SiO2-CVD). Dies ist mit dem thermischen Oxid der LOCOS-Technik nicht möglich, da die VolumenĂ€nderung wĂ€hrend des Oxidwachstums zu hohe mechanische Spannungen im Graben erzeugt und zu Defekten fĂŒhrt. Die Grabenisolation erlaubt im Vergleich zu LOCOS-Technik eine deutlich bessere seitliche Isolation (auch in tiefere Regionen) und ist zudem noch platzsparender herzustellen, was wiederum eine höhere Packungsdichte ermöglicht.

Vogelschnabel

Wie schon in der kurzen Prozesszusammenfassung erwĂ€hnt, wĂ€chst das Siliciumdioxid wĂ€hrend der thermischen Oxidation unter den Rand der eigentlich maskierten Bereiche. Ursache dafĂŒr ist die isotrope und damit auch seitliche Sauerstoffdiffusion sowohl im LOCOS-Oxid als auch im Padoxid. Es entsteht eine fĂŒr den LOCOS-Prozess charakteristische Oxidstruktur, deren Rand bis zu einem Mikrometer unter der Nitridschicht auslĂ€uft und aufgrund ihres Profils Vogelschnabel (engl. bird’s beak) genannt wird.

Bei fortschreitender Oxidation kommt es durch das Wachstum der Oxidschicht an den Kanten der maskierten Bereiche zu einer Verbiegung (vom Substrat weg) der Nitridmaske. Da aufgrund der unterschiedlichen GitterabstĂ€nde die mechanischen Verspannungen wĂ€hrend des Prozesses bei einem direkten Kontakt zwischen Silicium und Siliciumnitrid zu groß wĂ€ren – die Nitridschicht wĂŒrde durch die Verbiegung abplatzen – ist das Padoxid als Puffer notwendig.

White-Ribbon- oder Kooi-Effekt

Der White-Ribbon- beziehungsweise Kooi-Effekt, benannt nach E. Kooi, einem Mitentwickler der LOCOS-Technik, ist ein parasitĂ€rer Effekt beim LOCOS-Prozess.cite-ref-8[8] Er beschreibt die Entstehung einer dĂŒnnen Siliciumnitridschicht zwischen dem Pad-Oxid und dem Siliciumsubstrat im auslaufenden Gebiet des Vogelschnabels. Diese zeichnet sich bei Untersuchungen mittels Hellfeldmikroskopie als weißliches Band (engl. white ribbon) ab. Diese unerwĂŒnschte Schichtbildung tritt hauptsĂ€chlich bei einer Schicht aus der sogenannten nassen Oxidation auf. Diese Methode wird standardmĂ€ĂŸig fĂŒr dickere Oxidschichten genutzt, da sie im Vergleich zur trockenen Oxidation in sauerstoffreicher AtmosphĂ€re ohne Wasserdampf ein schnelleres Schichtwachstums zeigt. Dies bietet bei den langen Prozesszeiten dicker Oxidschichten vor allem ökonomische Vorteile.

Die nasse Oxidation wird in einer mit Wasserdampf angereicherten AtmosphĂ€re bei Temperaturen ĂŒber 1100 °C durchgefĂŒhrt. Hier fĂŒhrt die Diffusion von Hydroxidionen (OH−) durch die Siliciumnitridschicht zu einer geringfĂŒgigen Oxidation der Siliciumnitridschicht an der Pad-Oxidseite. Als Reaktionsprodukt dieser Oxidation entsteht unter anderem Ammoniak. Das Ammoniak diffundiert wiederum durch das Padoxid zum Siliciumsubstrat. Infolge der hohen Temperaturen kommt es zur thermische Nitridation des Siliciums, das heißt, Ammoniak reagiert mit dem Silicium zu Siliciumnitrid, und es bildet sich die von Kooi beobachtete Siliciumnitridschicht zwischen dem Padoxid und dem Siliciumsubstrat.

S i 3 N 4 + 6 O H − − → → 3 S i O 2 + 2 N H 3 + N 2 {\displaystyle \mathrm {Si_{3}N_{4}+6\ OH^{-}\rightarrow 3\ SiO_{2}+2\ NH_{3}+N_{2}} }

3 S i + 4 N H 3 → → S i 3 N 4 + 6 H 2 {\displaystyle \mathrm {3\ Si+4\ NH_{3}\rightarrow Si_{3}N_{4}+6\ H_{2}} }

Der Effekt tritt nur im Bereich des Vogelschnabels auf, da hier die Oxidationsrate des Siliciums niedrig und der Diffusionsweg des Ammoniaks kurz ist. Im Hinblick auf den Gesamtprozess der Schaltkreisherstellung muss diese Nitridansammlung vor dem folgenden Oxidationsschritt fĂŒr das sogenannte Gate-Oxid, das als Dielektrikum beim MISFET genutzt wird, entfernt werden, da sie das Oxidwachstum behindert beziehungsweise verhindert.

Weiterentwicklungen

Der Vogelschnabel- und der White-Ribbon-Effekt sowie die nicht mehr ebene Topographie nach der Oxidation sind die wesentlichen Nachteile der Standard-LOCOS-Technik. Aus diesem Grund wurde die Weiterentwicklungen schnell vorangetrieben und zahlreiche Varianten entwickelt, um durch eine abgewandelte Prozessfolge ein oder mehrere dieser Nachteile reduzieren. Die wichtigsten Weiterentwicklungen sind:cite-ref-9[9]cite-ref-10[10]

1. semi recessed LOCOS und fully recessed LOCOS
2. SPOT (engl. self-aligned planar oxidation technology, auch super planar oxidation technology)
3. SILO (engl. sealed interface local oxidation)
4. Polysilicium gepuffertes LOCOS
5. SWAMI (engl. side wall mask isolatated)cite-ref-11[11]
6. FUROX (engl. FUlly Recessed Oxide)cite-ref-12[12]

Fully-recessed LOCOS

Der Fully-recessed-LOCOS-Prozesscite-ref-13[13] (engl. fully recessed, dt. ‚voll zurĂŒckgesetzt‘) ist eine vergleichsweise einfache Möglichkeit die OberflĂ€chentopografie weiter einzuebnen und das Feldoxid tiefer in das Substrat einzubringen. Dazu wird nach der Strukturierung (1) des Padoxid-Nitrid-Schichtstapels das Siliciumsubstrat anisotrop zurĂŒckgeĂ€tzt (2). Dabei entstehen GrĂ€ben im Silicium, deren Tiefe ungefĂ€hr 50 % spĂ€teren Feldoxiddicke betrĂ€gt. FĂŒr die Ätzung gibt es unterschiedliche Varianten, sie kann beispielsweise mit SalpetersĂ€ure-FluorwasserstoffsĂ€ure-Lösung nasschemisch isotrop, mit einer Kaliumhydroxid-Lösung nasschemisch anisotrop oder per TrockenĂ€tzen erfolgen. Anschließend folgt der thermische Oxidationsschritt (3), wobei das Oxid wiederum 45 % in das Siliciumsubstrat und zu 55 % nach oben wĂ€chst. Dabei fĂŒllt es den geĂ€tzten Graben auf. Nach der Oxidation wird die Siliciumnitridmaske entfernt (4) und es entsteht eine relativ ebene OberflĂ€che.

Der Hauptvorteil des Fully-recessed-LOCOS-Prozess’ sind die guten elektrischen Isolationseigenschaften, z. B. einem niedrigen Leckstrom im Aus-Zustand bei Feldeffekttransistoren. Sie resultieren vor allem aus der grĂ¶ĂŸeren IsolationslĂ€nge, das heißt die LĂ€nge der Si-SiO2-GrenzflĂ€che von einem aktiven Gebiet zum nĂ€chsten. Nachteilig ist eine etwas vergrĂ¶ĂŸerte LĂ€nge des Vogelschnabels und der Bildung von „Vogelköpfen“ (engl. bird’s head) an den Seitenbereichen. Letzteres stellt eine erhöhte Topographie dar und kann wiederum zu Komplikationen beider StufenĂŒberdeckung wĂ€hrend der Metallisierung fĂŒhren.

SPOT-Technik

Die SPOT-Technikcite-ref-14[14] stellt eine Möglichkeit dar, auf Basis des Standard-LOCOS-Verfahrens eine sehr ebene Topografie nach der Oxidation zu erhalten. Im Wesentlichen wird dazu der LOCOS-Prozess doppelt durchgefĂŒhrt.

ZunĂ€chst wird nach der Feldoxidation das Feldoxid wieder vollstĂ€ndig durch nasschemisches Ätzen entfernt. Durch die Wahl eines geeigneten Ätzers mit hoher ÄtzselektivitĂ€t zwischen Siliciumoxid und Siliciumnitrid bleibt dabei das Maskierungsnitrid quasi unverĂ€ndert. Nach der Ätzung erfolgt eine kantenkonforme ganzflĂ€chige Nitridabscheidung, das heißt, die Nitridschicht ĂŒberall gleich dick, auch in den Bereichen der nach der Ätzung frei liegenden Unterseite des durch den Vogelschnabel hochgedrĂŒckten Maskennitrids. Vor der Oxidation muss jedoch diese zweite Nitridschicht wieder großflĂ€chig entfernt werden. Einzig an den RĂ€ndern des bei der ersten Oxidation entstandenen Vogelschnabels soll sie die Diffusion unter das Maskennitrid begrenzen, so dass sich der Vogelschnabel bei der folgenden Oxidation nicht weiter unter das Maskennitrid ausbreiten kann. Dieser anisotrope Ätzschritt erfolgt durch reaktives IonenĂ€tzen des Nitrids. Nun folgt ein weiterer Oxidationsschritt bestehend aus einer kurzen Padoxidation und einer nassen thermischen Oxidation fĂŒr das Feldoxid. Nachdem die erforderliche Schichtdicke erreicht wurde, können nun gemĂ€ĂŸ dem Standardprozess die Nitridschichten entfernt werden.

Das Endergebnis ist eine nahezu plane WaferoberflĂ€che, die jedoch weiterhin einen Übergangsbereich (Teil des Vogelschnabels) zwischen dem aktiven Gebiet und der Oxidationswanne aufweist. Auch treten weiterhin parasitĂ€re Effekte (White-Ribbon-Effekt etc.) auf. Durch die zusĂ€tzlichen Prozessschritte ist das Verfahren zudem wesentlich zeit- und kostenintensiver.

SILO-Technik

Die SILO-Technikcite-ref-15[15] (SILO = engl. sealed interface local oxidation, dt. „lokale Oxidation mit versiegelter GrenzflĂ€che“) wurde gezielt fĂŒr die UnterdrĂŒckung des Vogelschnabels und des White-Ribbon-Effekts entwickelt.

Im Unterschied zum konventionellen LOCOS-Verfahren wird beim SILO-LOCOS-Verfahren die OberflĂ€che zunĂ€chst mit einer etwa 4–10 nm dĂŒnnen Schicht aus thermischen Siliciumnitrid (Si3N4) ĂŒberzogen. Die thermische Nitridierung ist vergleichbar mit der thermischen Oxidation von Silicium. Sie erfolgt beispielsweise unter einer AmmoniakatmosphĂ€re (NH3) bei etwa 1200 °C. Dabei reagiert Silicium mit Ammoniak zu Siliciumnitrid und Wasserstoff (H2)

3 S i + 4 N H 3 → → S i 3 N 4 + 6 H 2 {\displaystyle \mathrm {3\,Si+4\,NH_{3}\rightarrow Si_{3}N_{4}+6\,H_{2}} }

Die beim konventionellen LOCOS-Verfahren kritischen Spannungen in der Nitridschicht sind aufgrund der geringen Dicke zu tolerieren und beeinflussen die nachfolgenden Prozesse nicht negativ. Im zweiten Schritt wird das Nitrid mit einem Padoxid und einer dicken CVD-Nitridschicht ĂŒberzogen. Anschließend erfolgt die Strukturierung des gesamten Schichtstapels mit einer Fotolackmaske und dem reaktiven IonenĂ€tzen.

Die thermische Nitridschicht soll die SiliciumoberflĂ€che wĂ€hrend der Feldoxidation vor der Sauerstoffdiffusion unter die Strukturkanten schĂŒtzen. Der relativ komplexe Aufbau der Maskierungsschicht ist notwendig, da die dĂŒnne Nitridschicht wĂ€hrend der Feldoxidation vollstĂ€ndig oxidieren wĂŒrde und somit allein nicht als Maske genutzt werden kann. Der Herstellungsaufwand erhöht sich durch eine zusĂ€tzlich erforderliche CVD-Oxidabscheidung nochmals um zwei Prozessschritte.

Die durch die SILO-Technik erreichten Eigenschaften sind gut, denn sowohl die Ausbildung des Vogelschnabels (Reduktion um bis zu 65 %) als auch des White-Ribbon-Effekts kann durch die Versiegelung mit der thermischen Nitridschicht gut unterdrĂŒckt werden. In Hinsicht auf die Topografie nach der Oxidation, bringt die SILO-Technik keine Vorteile gegenĂŒber der konventionellem LOCOS-Verfahren, das heißt, es entsteht ebenfalls eine Stufe von etwa 55 % der Feldoxiddicke.

Um die Belastungen durch die thermische Nitridierung zu reduzieren, kann es alternativ durch ein LPCVD-Nitrid ersetzt werden. Dies ist möglich da sich zwischen der SiliciumoberflĂ€che und dem Nitrid unvermeidlich ein natĂŒrliches Oxid als Padoxid befindet und als Haftvermittler dient.

Polysilicium-gepufferte LOCOS-Technik

Die AusprÀgung des Vogelschnabels kann bei der konventionellen LOCOS-Technik durch die Verringerung der Schichtdicke des Padoxids bzw. der Erhöhung der Schichtdicke des Maskennitrids erreicht werden. Dies verursacht jedoch zusÀtzlichen mechanischen Stress bei der Oxidation und birgt die Gefahr, dass sich beispielsweise die Nitridschicht ablösen kann. Die Polysilicium-gepufferte LOCOS-Technikcite-ref-16[16]cite-ref-17[17] (engl. poly-buffered LOCOS, PBL) ist eine Weiterentwicklung, die gezielt an diesem Punkt ansetzt und vor allem die Reduzierung des Vogelschnabels und des White-Ribbon-Effekts zum Ziel hat.

Dabei wird zwischen dem Pufferoxid und der Nitridschicht eine zusĂ€tzliche 20–50 nm dicke Schicht aus Polysilicium eingefĂŒgt, sie dient teilweise als Opferschicht und wird nach dem Prozess wieder vollstĂ€ndig entfernt. Durch die zusĂ€tzliche Schicht wird zum einen der mechanische Stress in der Nitridmaske zum anderen die Ausdehnung des Vogelschnabels verringert. Die Polysiliciumschicht nimmt wĂ€hrend der Oxidation Sauerstoff stĂ€rker auf als das Siliciumsubstrat (kĂŒrzerer Diffusionsweg, höhere Diffusionsgeschwindigkeit). Dadurch steht in diesem Bereiche weniger Sauerstoff fĂŒr die Oxidation des Substratmaterials zur VerfĂŒgung. Die Folge ist, dass weniger Substrat verbraucht wird. Durch den geringeren mechanischen Stress in der Nitridschicht, können dĂŒnnere Padoxid- und dickere Nitridschichten genutzt werden, die ebenfalls zur Verringerung des Vogelschnabels beitragen und sich positiv auf die Strukturtreue auswirkt.

Negativ fĂŒr den Einsatz der Polysilicium-gepufferten LOCOS-Technik sind die zusĂ€tzlichen Prozessschritte fĂŒr die Herstellung und Entfernung der nichtoxidierten Polysiliciumschicht. Das Polysilicium wird typischerweise durch PlasmaĂ€tzen entfernt. In AbhĂ€ngigkeit von der KorngrĂ¶ĂŸe der Schicht kann dabei eine erhöhte OberflĂ€chenrauigkeit entstehen, was gerade bei den spĂ€teren Gategebieten zu Problemen fĂŒhrt. Durch den Einsatz von amorphen Silicium kann die OberflĂ€chenaufrauung deutlich reduziert werden. Allerdings kann es bei den hohen Temperaturen, die bei der thermischen Oxidation von Silicium eingesetzt werden, zu einer Rekristallisierung der amorphen Schicht kommen. Eine Möglichkeit dies zu verhindern, ist die Dotierung der Schicht mit Stickstoff.cite-ref-18[18]

SWAMI-LOCOS-Technik

Die SWAMI-LOCOS-Technik (SWAMI von englisch sidewall-masked isolation, dt. Seitenwand-maskierte Isolation) wurde 1982 von Chiu u. a. vorgestellt.cite-ref-19[19]cite-ref-20[20]cite-ref-21[21] Dabei handelt es sich ebenfalls um eine LOCOS-Variante bei der zunĂ€chst das Silicium zurĂŒckgeĂ€tzt (engl. recessed) und der Graben anschließend durch eine oxidationsbedingte Volumenexpansion wieder aufgefĂŒllt wird.

Wie beim Fully-recessed-LOCOS-Prozess wird ein Schichtstapel aus einer Padoxid- und einer Siliciumnitridschicht ganzflĂ€chig auf dem Wafer abgeschieden. Anschließend werden die aktiven Gebiete fotolithografisch maskiert und in den Bereichen des spĂ€teren Feldoxids der Schichtstapel durch reaktives IonenĂ€tzen (RIE) entfernt. In einem weiteren Schritt wird das Siliciumsubstrat anisotrop geĂ€tzt, entweder ebenfalls per RIE oder nasschemisch mit KOH-Lösung. Die Tiefe der Ätzung betrĂ€gt ungefĂ€hr 55 % der gewĂŒnschten Dicke des spĂ€teren Feldoxids.

Nun folgen die SWAMI-spezifischen Prozessschritte. ZunĂ€chst werden die freigelegten Siliciumbereich (Graben) kurz thermisch Reoxidation. Dies dient zum einen der „Abrundung“ der kantigen Siliciumgrabenstruktur, zum anderen dient das dĂŒnne Oxid (im Folgenden Oxid-II genannt) als Pufferschicht, um mechanische Spannung zwischen dem Silicium und der Nitridschicht zu verringern. Danach wird ein zweiter Schichtstapel aus einer Si3N4- und einer SiO2-Schicht (Nitrid-II und Oxid-III) ganzflĂ€chig abgeschieden. Dabei kommt es unter anderem auf eine gute Seitenbedeckung der geĂ€tzten Strukturen an, weshalb in der Regel ein Verfahren der chemischen Gasphasenabscheidung (CVD) genutzt wird. Im nĂ€chsten Schritt wird die Oxid-III-Schicht mit einem stark anisotropen Prozess geĂ€tzt. Die Oxidschicht an den SeitenwĂ€nden wird aufgrund des anisotropen Charakters der Ätzung nicht abgedĂŒnnt und bleibt als Abstandshalter (engl. spacer) erhalten. Nach der Entfernung des Abstandhalter (Oxid-III) verbleibt ein Silicium-Mesa zurĂŒck, dessen SeitenwĂ€nde durch das Nitrid-II und das Oxid-II geschĂŒtzt ist. Die LĂ€nge des ĂŒberstehenden Nitrids am Grabenboden des vertieften Siliciums wird so gewĂ€hlt, dass das Wachstum des Vogelschnabels in die spĂ€teren aktiven Bereiche minimal ist. Die Grenze der aktiven Bereiche wird durch den Rand des ersten Nitrids festgelegt. Bei der anschließenden thermischen Oxidation wird dieser Bereich wieder durch das Feldoxid aufgefĂŒllt, bis das Oxid das Niveau der ursprĂŒnglichen SiliciumoberflĂ€che erreicht hat. Dabei wird das dĂŒnne Seitenwandnitrid hochgebogen.

Nach der Entfernung der Maskierungs- und Pufferschichten ergibt sich so eine nahezu planare OberflĂ€che. Die AusprĂ€gung des Vogelschnabels oder des Vogelkopfes wird wirkungsvoll unterdrĂŒckt. Die wichtigsten Vorteile der SWAMI-LOCOS-Technik sind daher eine Erhöhung der Packungsdichte und kaum EinschrĂ€nkungen hinsichtlich der Feldoxiddicke. Auch der White-Ribbon-Effekt tritt nicht auf.

Literatur

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‱ Stanley Wolf, Richard N. Tauber: Silicon Processing for the VLSI Era, Vol. 2: Process Integration. 5. Auflage. Lattice Press, 1990, ISBN 0-9616721-4-5, S. 20–45.

Weblinks

‱ Helmut Föll: LOCOS Process. Basic Concept of Local Oxidation. In: Electronic Materials. Abgerufen am 2. Dezember 2008 (englisch).

Einzelnachweise

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